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Bloßwitz und nochmal Bloßwitz

Erweckt, von der Eisenbahnstrecke Riesa - Karl-Marx-Stadt (Anm. Chemnitz) ausgesehen, den Eindruck eines hoch gelegenen Ortes, zumal wenn der Zug, von Stauchitz kom­mend, bei Panitz in die Jahna-Aue einfährt. Von hier bietet die Kirche, die sich etwa 10 m über der Bachniederung erhebt, einen beherrschenden Anblick. Das Straßendorf selbst hingegen fällt nach Südwesten zu ab.

Der Volksmund bezeichnet Bloßwitz wegen seiner Kirche als Kerchen-Blods zum Unterschied von Dürren- oder Derrn-Blods für Plotitz auf der anderen Seite des Tales. Der Ortsname — 1226 Blosewitz — geht auf eine altsorbische Per­sonenbezeichnung Bloz zurück. Die erste Nennung verzeichnet einen später wieder verschwundenen Herrensitz. Grundherrliche Rechte übte zunächst das Rittergut Ragewitz, seit dem 17. Jahrhundert das in Grubnitz über die Be­wohner aus. 
 
1820 lebten im Ort 5 Bauern, 3 Gartennahrungsbesitzer und 13 Häusler. Die bäuerliche Flur gliederte sich in Blöcke und Streifen; ihre Größe beträgt einschließlich der Anteile an der Wüstung Böhla nur 131 ha.  



Die im 15. Jahrhundert erbaute Kirche erhielt ihre jetzige Gestalt in den Jahren 1697 bis 1699. Dem breiten Turm setzte man 1870/71 das achteckige Ober­geschoß mit gedrungener Haube und zierlicher Laterne auf. Eine Restaurierung 1932 legte Malereien aus dem 17. Jahrhundert auf den unteren Brüstungsfeldern der doppelstöckigen Emporen frei.


Den großen Kanzelaltar, einen hohen Holzaufbau mit vergoldeten Schnitzereien, schuf 1705 der Meißner Bildhauer Valen­tin Walther. Der Holzbildhauer Pancratius grueber, der etwa 1510 bis 1525 in Großenhain tätig war, schnitzte die an der Südwand des Kirchenschiffes hängende Vesperbildgruppe. Sie ist der Rest des gotischen Altars der älteren Bloßwitzer Kirche. Aus der Werkstatt des Bildhauers Hans köhler, der 1565 bis 1606 in Meißen lebte, stammen zwei sehr gut erhaltene, etwa 2 m hohe Sandsteingrabmäler sowie das 1607 aus Sandstein errichtete große Wandepitaph des Dietrich von Schleinitz († 1592).


Unter dem Kirchhof muss ein frühgeschicht­licher Ringwall vermutet werden, für den allerdings noch die bestimmenden Funde fehlen.

Im Ortsbild von Bloßwitz fällt das Gebäude Nr. 13 nahe am Friedhof durch sein traufseitiges Fachwerkobergeschoß auf. Es handelt sich um das Schulhaus von 1802, das als Kindergarten genutzt wird (Anm.: wurde), seitdem die Schüler in Ragewitz ihren Unterricht erhalten. Neben einigen Dreiseitgehöften, oft mit Fach­werkobergeschossen, und kleinen Wirtschaften sei die geräumige vierseitige An­lage Nr. 24 erwähnt. Der von der LPG Freundschaft Stösitz genutzte Hof bewahrt am Pferdestall eine dreibogige Kumthalle. Alle Gebäude tragen — als Seltenheit in dem Gebiet — eine Schieferbedeckung.  Quelle: "Werte unserer Heimat"


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